Das Haar ist frisch gewaschen, sorgfältig geföhnt – und trotzdem stehen feine Strähnen ab, als wäre man gerade im Sturm gewesen. Wer das kennt, hat sich wahrscheinlich schon gefragt, ob das am Produkt liegt, am Föhn oder einfach an den eigenen Haaren.
Meistens ist es keines davon allein. Es ist der Prozess selbst.
Was beim Föhnen mit dem Haar passiert
Föhnen trocknet nicht nur Wasser aus dem Haar – es erzeugt dabei auch Reibung und Wärme, beides zusammen begünstigt elektrostatische Aufladung. Heiße Luft trocknet das Haar schnell aus. Zu wenig Feuchtigkeit im Haar bedeutet weniger natürliche Leitfähigkeit, und das bedeutet: Ladungen können sich nicht so leicht ausgleichen.
Dazu kommt die mechanische Seite. Wenn man beim Föhnen mit einer Bürste durchfährt – besonders einer Plastik- oder Nylonbürste – entsteht zusätzliche Reibung. Das ist oft der eigentliche Auslöser für das abstehende Ergebnis.
Ein Zusammenhang, der vielen nicht bewusst ist: Das Problem beginnt häufig nicht beim Föhnen selbst, sondern schon beim Handtuch. Wer das Haar vorher kräftig mit einem Frotteehandtuch reibt, hat bereits eine erhebliche Aufladung erzeugt – noch bevor der Föhn eingeschaltet wird.
Was man direkt beim Föhnen ändern kann
Den Abstand erhöhen. Viele halten den Föhn zu nah am Haar, weil es dann schneller geht. Das trocknet das Haar aber stärker aus und erhöht die Aufladung. Zehn bis fünfzehn Zentimeter Abstand sind ein guter Ausgangspunkt.
Die Temperatur senken. Die höchste Stufe ist selten nötig. Mittlere Wärme schont das Haar und reduziert die Austrocknung.
Mit kalter Luft enden. Viele Föhne haben eine Kaltlufttaste, die kaum genutzt wird. Ein kurzer Kaltluftstoß am Ende schließt die Haarschuppen und sorgt für mehr Glanz – und weniger Aufladung.
Wer tiefer in die Technik einsteigen möchte, findet dazu mehr im Artikel über richtiges Föhnen gegen Elektrostatik.
Was danach hilft – wenn die Haare schon fliegen
Manchmal hat man alles richtig gemacht und trotzdem stehen einzelne Strähnen ab. Das passiert besonders bei feinem Haar, in trockener Raumluft oder im Winter.
Ein paar Tropfen Haaröl in die Handflächen, dann leicht über die Längen streichen – das ist die schnellste Lösung. Nicht zu viel, sonst wirkt das Haar fettig. Wirklich nur die Hände dünn einölen und dann durchstreichen. Arganöl oder Jojobaöl eignen sich gut dafür.
Alternativ reicht oft auch feuchte Hände. Kurz die Hände befeuchten und einmal ruhig durch das Haar fahren – das gleicht die Aufladung unmittelbar aus.
Wer ein Finishing-Spray benutzt: Haarspray mit etwas Abstand aufgesprüht kann fliegende Strähnen anlegen. Wichtig ist, nicht direkt auf eine Strähne zu zielen, sondern mit Abstand über den ganzen Kopf zu sprühen.
Die Bürste macht mehr aus als gedacht
Eine Plastikbürste erzeugt beim Föhnen deutlich mehr elektrostatische Reibung als eine Bürste mit Naturborsten. Das ist kein kleiner Unterschied – es ist oft der größte Einzelfaktor bei diesem Problem.
Wer regelmäßig mit abstehenden Haaren nach dem Föhnen kämpft und noch eine Kunststoffbürste benutzt, sollte das als erstes ändern. Eine Bürste mit Wildschweinborsten oder gemischten Naturborsten führt die Hitze gleichmäßiger und erzeugt erheblich weniger Reibungsladung.
Und der Föhn selbst?
Ältere Föhne ohne Ionentechnologie können das Problem tatsächlich verstärken. Ionisierende Föhne geben beim Trocknen negativ geladene Ionen ab, die die positive Aufladung im Haar ausgleichen. Das Ergebnis ist merklich ruhigeres, glänzenderes Haar direkt nach dem Föhnen.
Wer ohnehin einen neuen Föhn in Betracht zieht, lohnt es sich, auf dieses Merkmal zu achten. Ob sich das wirklich auszahlt, ist ausführlicher beschrieben im Artikel über ionisierende Föhne.
Das Föhnergebnis hängt von mehr Faktoren ab als man zunächst denkt – aber die wichtigsten lassen sich alle recht einfach anpassen.
